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Vor fünf Jahren besuchten wir das erste Mal Norwegen, unvergessen die Übernachtung in Haukeliseter Fjellstue in über 1.000 Metern Höhe. Hier übernachteten einst die Arbeiter, die die Bahnverbindung Oslo-Bergen bauten. Heute ist es ein Zielpunkt für viele Wanderer.

Haukeliseter stand dieses Mal nicht auf unserer Speisekarte. Wir nahmen zunächst aber wie auch damals das Schiff Kiel-Oslo.

Unsere aktuellen Ziele sind die Flam-Bahn, der Besuch eines Gletschers und die Seilbahn zum Ulriken in Bergen als krönender Abschluss.

 Die atemberaubende Aussicht der Flam Bahn wird immer wieder unterbrochen durch einen der vielen Tunnel, die ein Drittel der rund 20 Kilometer langen Strecke ausmachen. Tatsächlich gilt die Strecke als eine der anspruchsvollsten und spektakulärsten Europas.

Gut 17 Jahre dauerten die Arbeiten für die steilste Adhäsionsbahn, die auf Normalspur verläuft. Der Bau verschlang 26,5 Millionen Kronen, damals eine ungeheuerliche Summe. 18 der 20 Tunnel wurden mit der Hand gegraben. Die senkrecht aufragende Gebirgswand im oberen Teil des Tals war für die Ingenieure eine enorme Herausforderung. Um den großen Höhenunterschied zu überwinden, bohrten Arbeiter im Berginneren einen Wendetunnel. Auf vier übereinander liegenden Etagen schraubt sich der Zug von Meereshöhe bis auf 866 Meter ins Bergdorf Myrdal hinauf.

Hier trafen wir auf Huldra, die der Sage nach Männer entführt. Sie tanzt später rechts im roten Kleid am Kjosfossen-Wasserfalls. Passiert ist aber nichts....

Weiter wird es dann gehen nach Nigardsbreen, wir wollen einen Gleltscher besuchen.


Wir nahmen wie auch damals das Schiff Kiel-Oslo. Die Fahrt mit dem Schiff wird knapp zwanzig Stunden dauern.

Es ist wieder da: dieses Kribbeln im Bauch, wenn das Schiff am Terminal an legt.

Schnell noch einmal gucken, wo sind die wichtigsten Papiere? Natürlich dort, wo wir sie hin gepackt haben, alles ist gut, alles ist in Ordnung. Wie sind wohl die Kabinen? Ich glaube, als erstes werde ich mich aufs Bett legen und eine Cola schlürfen... Ich kontrolliere erneut meine Jackentaschen... ja, da ist sie, die Chipkarte für die Kabine, daneben die Karte für das Dinnermenue. Wann geht das eigentlich los? Um 18.00? Gut, ich freue mich schon darauf.

Das Schiff ist bereits entladen, wir sind in der ersten Reihe der Fahrzeuge. Sehr gut, denke ich, somit geraten wir nicht in die Masse der anderen Mitreisenden. Mit Grauen denke ich an so manche Fahrt, als wir mitten in der Schlange der Autos und ihren erholungssüchtigen Insassen standen und uns durchdrängeln mussten, um ins Freie zukommen. unvergessen die Reise, als eine dicke Frau vor uns sich die Treppen hinauf quälte, die linke und rechte Hand was mit dicken Taschen belegt. Es ist übrigens empfehlenswert, sich die Nummer des Aufgangs zu merken, ein kurzes Foto mit dem Handy genügt da schon. Aber da wir heute in der ersten Reihe sind, ist alles ein wenig entspannter.

Wir nehmen einen kleinen Rucksack mit allen Notwendigkeiten für eine Nacht und traben los in den 9. Stock. Über eine Treppe geht es raus, wir nehmen den Fahrstuhl, die Gelegenheit ist noch günstig. Tatsächlich wartet nur eine Familie in dem Lift und wir steigen ein. Die Fahrstühle sind schnell und wir erreichen unseren Stock um 12.30h, also viel zu früh. Doch wieder haben wir Glück und die Chipkarte lässt uns schon hinein. Das Schiff hingegen soll erst um 14.00h den Hafen Kiel verlassen.

Wir machen es uns also erst einmal gemütlich, bevor wir das Schiff inspizieren.

Wir wissen schon von einer vorherigen Reise, dass es auf diesem Schiff eine sogenannte 'Mall' gibt, eine Einkaufsmeile auf dem Schiff. Hier gibt es zu allerdings überteuerten Preisen von Krabben bis zum Perfüm hin alles, was das Herz begehrt und was recht nutzlos ist. Ein wenig mit Wehmut denken ich an unsere Schottlandreisen zurück, die nicht halb so luxuriös waren. Dafür wirkte sie einfach authentischer als all dieser Schnickschnack hier.

Gar nicht zu vergleichen mit unserer ersten Reise von Kiel aus, als wir mit einem polnischen Schiff in einer Innenkabine fuhren. Auch war das Essen auf dem polnischen Schiff weitaus 'authentischer', wobei die zähen Schnitzel und die Riesenkartoffeln mit Augen doch weit mehr was von Abenteuer hatten als das hier.

Übrigens sollte man, wenn man hier auf diesem Schiff eine Reise macht, wirklich nicht eine Kabine direkt an der Mall buchen. Man ist zwar mittendrin im Leben, aber wer möchte das schon in der Nacht sein?

 

 Die Stimmung an Bord ist natürlich sehr gut, Corona scheint es für die meisten nicht mehr zu geben, wir gehören zu den wenigen, die eine Schutzmaske tragen. Das Wetter ist einfach nur prächtig, aber nicht zu heiß. Wir ziehen uns in die Kabine zurück und fallen über den Kühlschrank her.

Zu reichlich Cola und Selter feiern wir unsere ersten Tag auf See. Vorbei geht es an Laboe und dem ewigen U-Boot, das wir vom Schiff aus gut erkennen können. Es ist die U 995, deutsches U-Boot der ehemaligen Kriegsmarine vom Typ VII C/41, das im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde. Im September 1943 wurde es in Dienst gestellt und absolvierte neun Einsätze. Gebaut wurde es bei Blohm und Voss.

Kurz drauf werden wir von einem richtigen U-Boot begleitet. Wir sind nun schon einige Meilen von der Küste weg und vermutlich handelt es sich um eines der U-Boote, dass seit Anfang Juni eine groß angelegtes NATO-Mannöver begleitet. Es nehmen in diesen Wochen auf der Ostsee mehr als 45 Schiffe und 75 Flugzeuge sowie rund 7.000 Soldaten teil.

Da wir Freunde sind und man ja nicht auf Freunde schießt oder sie gar versenkt, verabschiedet sich das Boot irgendwann und wir bewegen uns in Richtung Deck 7, zum Dinner Buffet.

Wieder einmal überwiegt die Reichhaltigkeit und während das Schiff an den ersten dänischen Inseln vorbei gleitet, könnte das, so überlege ich, das letzte Mal sein, noch einmal richtig zuzulangen. Ähnlich auf den Fähren nach Schottland, wo es quasi ein letztes Mal kontinentales Essen gab. Wer weiß, vielleicht warten die nächsten Wochen nur noch Fisch und Elch oder Trockenfisch auf mich...

Die See ist ruhig und es wird eine angenehme Nacht.

Um diese Abendzeit ist es am ruhigsten an Deck, es ist die Abendstimmung auf See. Am nächsten Morgen werden wir in Oslo sein.

Wir haben eine sehr ruhige Kabine, auch wenn die Temperaur in einer Schiffkabine immer ein wenig gewohnheitsbedürftig ist, aber da kann selbst eine gute Kllimaanlage nicht gegen an.

Endlich fahren wir in den Fjord von Oslo ein. Das Deck ist mittlerweile wieder gut gefüllt, niemand will diesen Moment missen.

 Um 10.00 Uhr legen wir pünktlich an. Natürlich sind wir wie alle anderen schon im Wagen und als endlich die Schotten geöffnet werden, fahren auch wir los. Vorbei geht es durch eine abgesteckte Strecke entlang am Filipstadkaja. Wir halten die Papiere bereit, doch niemand will sie sehen. Weiter geht es auf dem  Filipstadvejen bis hin zu E18.

Nach ein paar Minuten Fahrtzeit erreichen wir bei Sandvika die E16, unser Tor zum Sognefjord.

Es geht los, wir sind auf dem richtigen Weg!

Der erste von vielen Tunneln ist erreicht. Der erste Wegelagerer auf unserer Strecke, denke ich. Denn wenn ich Wochen später auf meine Kontoauszüge gucken werden, so sehe ich dann an die 20 Abbuchungen einer gewissen DZ Bank.

Wo bei uns in Deutschland ja alle über Digitalisierung reden und jeder Politiker seinen unausgegorenen Senf dazu gibt, so stellen wir hier in Norwegen fest, dass die alle schon einen gewaltigen Schritt weiter sind. Da wir uns vor Jahren bei Euro Parking angemeldet hatten, werden wir automatisch registriert. Auch beim Fährverkehr brauchen wir kein Kleingeld, wir werden ganz charmant digital abkassiert.

Unser Navi hat uns über die 52 über das Hemsedalfjell gelotst, wir sind plötzlich zwischen Bergen mit Schnee und Seen, die noch von Eis bedeckt sind. Es ist recht kühl hier und es weht ein kräftiger Wind.

Weiter geht es und wir kommen an ein Hochplateau, das mich an das Gebiet um Haukeliseter Fjellstue erinnert. Ein paar Hütten sind am See zu erkennen, und das verstärkt den Eindruck noch mehr.

Waren wir gerade noch durch eine grüne Landschaft gefahren, so sieht hier alles grau und kalt aus. Doch es ist irgendwie schön hier und erst, als wir gründlich durchgefroren sind, fahren wir weiter.

Noch ein letzter Tunnel und wir haben es geschafft...

Wir sind endlich da, wo wir immer hin wollten: zwischen Bergen und Wasserfällen. Dann erreichen wir Naddvik, unser Ziel.

 Zunächst einmal freuen wir uns über den riesigen Fernseher, doch dann stellen wir fest, das wir ja ein Wort norwegisch verstehen. Mein Laptop lässt sich aber an den Bildschirm anschließen und eine kleine VPN-Lösung lässt uns dann alles sehen, was wir auch verstehen.